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Captain America - Filmkritik

Geschrieben von: PressPlayChris am 18.08.2011, 22:05
Kategorien: Kino, DVD, TV
Captain America: The First Avenger

Was für den durchschnittlichen Mitteleuropäer wie eine Verwirklichung aller patriotischer Fehlgriffe erscheint, ist für den nordamerikanischen Comic-Fan eine schon geradezu mythisch gewordene Verkörperung des Nationalbewusstseins. In den Farbe und Formen der US-Flagge Stars and Stripes gehüllt, musste der bereits seit 1940 in Leben gerufene Captain America außerhalb der Vereinigten Staaten (anders als etwa der vergleichbare „Superman“) ein recht stilles Nischendasein führen – natürlich nur bis zum unweigerlichen Leinwanddebüt, welches nun genügend Publicity rund um den Helden schüren dürfte. Anders als seine diversen Comic-Kumpane aus dem Hause Marvel profitiert „Cap“ allerdings von der Tatsache, dass die fiktive Figur während des zweiten Weltkrieges tatsächlich eine (bewusst politische) Agenda erfüllt, was sehr treffend auf der Titelseite der ersten Ausgabe der „Captain America Comics“ dargestellt wurde: Mit einem wuchtige Kinnhacken bearbeitet der rot-weiß-blaue Muskelprotz Adolf Hitler und quasi sinngemäß das ganze Nazi-kontrollierte Deutschland.

Jahrzehnte später versucht Regisseur Joe Johnston,
am besten bekannt durch Werke wie Jumanji, The Rocketeer und das ebenfalls auf einen Klassiker basierende Remake von The Wolfman, den verlorenen Glanz des einst so strahlenden Helden wieder aufzufrischen. Eines vorweg: Jede vorhandene Skepsis hinsichtlich einer weiteren Marvel-Comic-Verfilmung hat ihre Begründung, denn zu generisch und auswechselbar waren Schauspieler und Handlung in Werken wie Thor, Ghost Rider oder Hulk und zu prägnant die offensichtlichen Fehler in Fortsetzungen wie Spiderman 3, Iron Man 2 oder auch X-Men 3. Umso erfreulicher erscheint die Tatsache, dass Johnston scheinbar aus einigen der genannten (und einigen nicht erwähnten) Fehlleistungen des Genres gelernt hat und mit Captain America: The First Avenger einen recht soliden, stimmigen Film produziert hat.

Die zentrale Rolle des anfangs noch schmächtigen, aber vor Idealismus und Hartnäckigkeit nur so strotzenden Steve Rogers, der trotz mangelnder physischer Eignung immer wieder sein Glück bei Einberufungsstellen der US-Armee versucht, übernimmt der
charismatische sowie talentierte Jungschauspieler Chris Evans, den Comic-Fans natürlich bereits seit seiner Verkörperung der „menschlichen Fackel“ (Human Torch) in beiden Fantastic Four-Teilen kennen. Als der unterdimensionierte Steve Rogers also bei einem erneuten Anlauf, in die Streitkräfte aufgenommen zu werden, zufällig vom Wissenschaftler Abraham Erskine (amüsierend: Stanley Tucci) auf Anhieb für ein geheimes Supersoldatenprojekt auserkoren wird, hat sich sein Traum erfüllt: Der Dienst für das Vaterland, mit allen erdenklichen Mitteln und zu jedem Preis, wird ihm nun ermöglicht. Dank Superserum bis zum scheinbaren Platzen mit Muskel aufgepumpt sowie am Zenit des menschlichen Potentials in Sachen Kraft, Selbstheilung und Ausdauer angelangt, ist in Folge der „Captain America“ geboren. Doch anstatt Amerikas Feinde an
der Front von Angesicht zu Angesicht zu bekämpfen, wird der vermeintliche Held – um den Canon der Comics zu folgen – in sein recht auffälliges Sternenbanner-Kostüm gesteckt und auf Propaganda-Reise zu den Truppen geschickt. Fortan nur noch zur Belustigung der Massen und der Lächerlichkeit gegenüber kriegsmüder Soldaten preisgegeben, schlägt Caps Stunde in dem Moment, als sein bester Freund Bucky nach einem Einsatz gegen den ehemaligen Gefolgsmann Hitlers, Johann Schmidt (aka Red Skull), vermisst wird…

Während andere Superheldenfilme schon von Beginn an entweder auf grimmige, düstere
Visionen oder den-vermeintlichen-Alltag-widerspiegelnde Szenarios setzen, überrascht Captain America doch einigermaßen: In einem warmen, sepiagetönten Retrolook positioniert Regisseur Johnston gekonnt einen (verhältnismäßig) glaubwürdigen Charakter, der zur Abwechslung nicht erst seine Motivation und Überzeugung finden muss. In seinem mittels eindrucksvoller CGI-Technik herunter gerechneten Körper spielt Chris Evans den All-American-Guy mit Nachdruck, was auf Anhieb gefällt.

Bis zu den ersten Actionsequenzen könnte man beinahe vergessen, dass es sich tatsächlich um eine Comic-Verfilmung handelt – leider stellt sich nach eben jenen schnell die Hollywood-Blockbuster-Routine ein. Obwohl anständig inszeniert und gut ausgeführt, vermögen die recht spärlich eingesetzten, actionreichen Szenen nicht so recht zu
überzeugen, denn dem Captain mangelt es an interessanten Nebencharakteren, Fähigkeiten und Gegenspielern. Außer einem sporadisch auftauchenden, natürlich multi-ethnisch besetzten und vor Klischees nur so strotzenden Team (inklusive Hayley „Love Interest“ Atwell als hübscher Vorgesetzen sowie Tommy Lee Jones als grimmiger General mit Herz) bietet der Hauptcharakter mit seinem unzerstörbaren Bumerang-Schild und feuerspuckender Harley Davidson kaum nennenswerte Eigenschaften - was in jeder Sequenz offensichtlich wird.

Als einigermaßen durchwachsen erweist sich auch das vielleicht wichtigste Element jedes Heldendramas: Zwar gut besetzt mit dem mehr als kompetenten Hugo Weaving (Agent Smith aus Matrix), vermag die Figur des Red Skull sowie dessen nazi-esken, Hydra
getauften Handlanger kein allzu großes Interesse bzw. keine immanente Bedrohung zu erwecken und verkommt so eher zum reinen Schauwert. Da kann dann auch das visuell und dramaturgisch unspektakuläre Finale der beiden Charaktere kaum noch überraschen. So kann Captain America: The First Avenger zwar in einigen Belangen seiner direkte Konkurrenz im Filmgenre gerade noch das Wasser reichen, allerdings ist der ambitionierte Versuch von Regisseur Johnston durchaus damit zu honorieren, das er eines der besseren Versatzstücke für das kommende Opus Magnum des Comic-Films, The Avengers, geliefert hat.

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