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Der Fan, die Minderheit
Geschrieben von: Florian Scherz am 16.11.2011, 15:45
Kategorien: PC- & Videospiele
Dieser Blog ist schon mindestens ein Jahr im Entstehen, hat schon sehr viele Iterationen durchgemacht und mit dem, den ich ursprünglich geschrieben habe, hat er eigentlich nur noch das Thema gemein. Dennoch ist er irgendwie aktuell wie eh und je, weswegen – glaub ich – es endgültig an der Zeit ist, ihn zu veröffentlichen, denn die Zeichen der Zeit sind klar: Fans mögen zwar wichtig sein für einen Spielrelease, aber sie sind oftmals nicht mehr genug, um das Spiel zu finanzieren. Das hört man aus immer mehr Publisher- und Entwickleraussagen heraus. Ist es noch ein Wunder, dass die „Core“-Fans die Casualisierung beklagen, was ja im Endeffekt nichts anderes ist als eine Zuwendung zum Massenmarkt? Nein. Aber ist es ein Wunder, dass die Publisher die Fans ignorieren, um eben diesen Markt dazuzugewinnen? Auch nicht. Resultat: Es scheint, als ist es zwar schön, wenn man Fan ist – Zielgruppe ist man dennoch nicht unbedingt.
Ich möchte an diesem Punkt kurz von den Spielen weg- und zu anderen Bereichen hinblicken, denn die Spaltung von „Casual“ und „Core“ ist zwar für uns Spieler in unserer Branche aktuell, findet aber auch ganz woanders statt. Werfen wir zum Beispiel kurz einen Blick ins Kino: Wir haben die Cineasten, die „ihre“ Filme oft in irgendwelchen kleinen Lichtspielhäusern ansehen müssen, weil in den großen Megaplexen nur die Blockbuster laufen. Klar jammern diese, das Filme mit wenig Tiefgang aber möglichst viel Action die „ordentlichen“ Streifen verdrängen. Aber genauso müssen Cineasten einsehen, dass sie alleine nicht die großen Säle füllen könnten, sondern nur die große Masse. Und diese sieht sich nun mal lieber einen schnellen Actionfilm oder eine seichte Komödie an als ein filmisches Meisterwerk über das Liebesleben der Pflastersteine unter Einfluss des Vollmondes – überspitzt gesagt. Ähnliches könnte man wohl über das Musik- und Bücherbusiness sagen. Money talks, heißt es so schön – kein Wunder, dass man sich eher an der Mehrheit und nicht an den Fans orientiert.
Wer an dieser Stelle noch über Cineasten und ihren Filmgeschmack geschmunzelt hat (ja, das tue ich auch bisweilen, denn was oft als „großartiger Film“ verkauft wird, finde ich sterbenslangweilig), dem wird das Lachen jetzt aber gleich im Hals stecken bleiben: Geht es um Spiele, sind wir oft die Cineasten. Wir sind mit Spielen aufgewachsen, haben Serienteil um Serienteil gekauft und fühlen uns, als hätten wir ein Recht darauf, dass das Franchise immer so weiterläuft, wie es war – natürlich mit leichten Tweaks –, und glauben, dass wir natürlich die Zielgruppe sind und eine ausreichende Menge an Leuten, dass man die Spiele nur für uns machen könnte. Tatsache ist aber, dass der Trend in die andere Richtung geht. Die Spieleentwicklung wird immer teurer und die Corefans reichen nicht mehr, um die Kosten abzudecken. Also muss die Masse angesprochen werden – oft auf Kosten der eigentlichen Fans. Persönlich sehe ich mich hier durchaus ebenfalls als Opfer: Mit XCOM und Syndicate sind momentan zwei Remakes von Serien in Arbeit, die ich leidenschaftlich gern gespielt habe – dank Steam wird X-COM immer noch ab und an gezockt. Ich bin also als einer von jenen, die der Marke jahrelang die Treue gehalten haben, die immer auf Fortsetzungen gehofft haben. Meine Freude war groß, als diese endlich angekündigt wurden – und dann das: beide Spiele werden zu Ego-Shootern. Mein persönlicher Zorn richtet sich dabei nicht nur gegen die Tatsache, dass ich mit diesem Genre nichts anfangen kann, sondern vor allem dagegen, dass das nun eigentlich nichts damit zu tun hat, was die Spielserie ursprünglich ausmachte – vor allem X-COM war ja ursprünglich ein rundenbasiertes Squad-Taktik-Spiel. Aber ich bin ja „nur“ der Fan, der „Core-Spieler“ der Marke. Wir allein würden ein Remake nicht rechtfertigen, die Masse macht‘s. Und die steht nun mal – zumindest laut den Publishern – nicht auf rundenbasiert, sondern auf Ego-Shooter und schnelle Action.
Ähnliches war heute – und damit sind wir beim Anlass gelandet, diesen Blog endlich fertigzustellen – über Final Fantasy zu lesen. Yoshinori Kitase erklärte, dass der Trend einfach heute Richtung Action-Gameplay geht und wer da nicht mitmacht, hat verloren. Finde ich es bezeichnend, dass auf mehreren Webseiten unter dieser News sofort Meldungen von Fans waren, die vor allem eines aussagten: Gebt uns doch einfach wieder das FF-Gameplay von I bis X zurück, das ist alles, was die Fans wollen, und schon wird das Spiel wieder ein Erfolg. Also ist rundenbasiertes CTB oder zumindest langsameres ATB eigentlich der Weg, den die Marke gehen sollte, um erfolgreich zu sein? Wohl nein. Aber: Der Fan ist es, der die Entwicklung der Spiele verfolgt. Er sieht eine Meldung zu Final Fantasy und klickt sie an. Er hat Interesse an der Marke, sieht diese News, liest sie und fragt sich, wo die Serie, die er unterstützt hat, hin ist – also hinterlässt er einen Kommentar, der die gute alte Zeit glorifiziert. So kann manchmal in Foren und auf Webseiten der Eindruck entstehen, dass die Spieler eigentlich nur Back to the Roots wollen – aber die Verkaufszahlen sprechen wohl eine andere Sprache und bevorzugt die anonyme Masse. Die greift wohl eher zur bekannten Marke, ohne vorher groß die Entwicklung zu beobachten. Kein Wunder, dass sich Fans oft vorkommen, als hätten sie recht und der Publisher ignoriert ihre Meinung.
Die Frage ist nur: Geht die Strategie auf? Sind diese neuen Käufer dann auch die Fans von morgen, wenn man die alten vergrault hat, oder spielt man mit den bestehenden Fans einfach nur ein grausames Spiel? Es muss ja einen Grund geben, warum man die alten Marken wieder aufwärmt und nicht einfach eine neue etabliert. XCOM hätte genauso gut Akte Alien heißen können oder Syndicate Utopia –um schnell Namen zu erfinden. Scheinbar verlassen sich die Publisher allerdings darauf, dass wir diese Marken kennen, lieben und noch immer bekannt machen – und vermutlich ist auch der Aufschrei, dass das nun ganz anders als früher war, schon PR-mäßig einkalkuliert, macht er die Marke doch nur noch bekannter. Und ganz ehrlich: Die meisten Fans werden das Spiel trotzdem in irgendeiner Form kaufen und spielen, trotz leidender Miene (meine beim Ansehen der Syndicate-Trailer ist mittlerweile redaktionsintern legendär) – schließlich bleibt dann irgendwie die Hoffnung, dass man den Publishern zeigt, dass die Marke noch nicht tot ist – und vielleicht kommt dann ja doch das „richtige“ Sequel? Ich erinnere an EAs Aussage zu Wing Commander für XBLA: „Wenn sich das Spiel gut verkauft, überlegen wir, die Marke weiterzuführen.“ Genug Anreiz für Fans, über die Mängel wegzusehen und das durchschnittliche Spiel zu kaufen, genutzt (im Sinne von „gute Fortsetzung“) hat es bislang gar nichts.
Scheinbar erreicht ein Publisher immer öfter den Punkt, an dem er sich entscheiden muss: Masse oder die Fans? Und leider wird viel zu oft Masse gewählt. Ex-Rare-Mitarbeiter erklärten erst vor wenigen Wochen, dass das der Grund wäre, warum man eben keine Remakes von Killer Instinct und Co. gemacht hätte – man hätte nur entweder ein Spiel machen können, das sich gut verkauft oder die Fans angesprochen hätte. Aus diesen Gründen habe ich mich zu einem klaren Kaufboykott von bloßen Sequels im Namen entschlossen: Solange für mich nicht bewiesen ist, dass das Spiel trotz neuer Form für mich noch irgendetwas beinhaltet, was für mich das Franchise einst ausgemacht hat, kaufe ich es nicht. Damit bin ich vermutlich nicht allein, aber wahrscheinlich auch nicht die große Masse, die wirklich etwas ändern könnte – klar, ich bin ja „nur“ ein Fan. Zum Glück gibt es aber auch noch Ausnahmen: Als das Larry-Remake angekündigt wurde, witzelten wir schon, wie die Serie wohl als Ego-Shooter aussehen würde – hier dürfte es allerdings eine ganz brave HD-Konversation des Klassikers werden. Gut so. Mögen es die Verkäufe belohnen!
Ich möchte an diesem Punkt kurz von den Spielen weg- und zu anderen Bereichen hinblicken, denn die Spaltung von „Casual“ und „Core“ ist zwar für uns Spieler in unserer Branche aktuell, findet aber auch ganz woanders statt. Werfen wir zum Beispiel kurz einen Blick ins Kino: Wir haben die Cineasten, die „ihre“ Filme oft in irgendwelchen kleinen Lichtspielhäusern ansehen müssen, weil in den großen Megaplexen nur die Blockbuster laufen. Klar jammern diese, das Filme mit wenig Tiefgang aber möglichst viel Action die „ordentlichen“ Streifen verdrängen. Aber genauso müssen Cineasten einsehen, dass sie alleine nicht die großen Säle füllen könnten, sondern nur die große Masse. Und diese sieht sich nun mal lieber einen schnellen Actionfilm oder eine seichte Komödie an als ein filmisches Meisterwerk über das Liebesleben der Pflastersteine unter Einfluss des Vollmondes – überspitzt gesagt. Ähnliches könnte man wohl über das Musik- und Bücherbusiness sagen. Money talks, heißt es so schön – kein Wunder, dass man sich eher an der Mehrheit und nicht an den Fans orientiert.
Wer an dieser Stelle noch über Cineasten und ihren Filmgeschmack geschmunzelt hat (ja, das tue ich auch bisweilen, denn was oft als „großartiger Film“ verkauft wird, finde ich sterbenslangweilig), dem wird das Lachen jetzt aber gleich im Hals stecken bleiben: Geht es um Spiele, sind wir oft die Cineasten. Wir sind mit Spielen aufgewachsen, haben Serienteil um Serienteil gekauft und fühlen uns, als hätten wir ein Recht darauf, dass das Franchise immer so weiterläuft, wie es war – natürlich mit leichten Tweaks –, und glauben, dass wir natürlich die Zielgruppe sind und eine ausreichende Menge an Leuten, dass man die Spiele nur für uns machen könnte. Tatsache ist aber, dass der Trend in die andere Richtung geht. Die Spieleentwicklung wird immer teurer und die Corefans reichen nicht mehr, um die Kosten abzudecken. Also muss die Masse angesprochen werden – oft auf Kosten der eigentlichen Fans. Persönlich sehe ich mich hier durchaus ebenfalls als Opfer: Mit XCOM und Syndicate sind momentan zwei Remakes von Serien in Arbeit, die ich leidenschaftlich gern gespielt habe – dank Steam wird X-COM immer noch ab und an gezockt. Ich bin also als einer von jenen, die der Marke jahrelang die Treue gehalten haben, die immer auf Fortsetzungen gehofft haben. Meine Freude war groß, als diese endlich angekündigt wurden – und dann das: beide Spiele werden zu Ego-Shootern. Mein persönlicher Zorn richtet sich dabei nicht nur gegen die Tatsache, dass ich mit diesem Genre nichts anfangen kann, sondern vor allem dagegen, dass das nun eigentlich nichts damit zu tun hat, was die Spielserie ursprünglich ausmachte – vor allem X-COM war ja ursprünglich ein rundenbasiertes Squad-Taktik-Spiel. Aber ich bin ja „nur“ der Fan, der „Core-Spieler“ der Marke. Wir allein würden ein Remake nicht rechtfertigen, die Masse macht‘s. Und die steht nun mal – zumindest laut den Publishern – nicht auf rundenbasiert, sondern auf Ego-Shooter und schnelle Action.
Ähnliches war heute – und damit sind wir beim Anlass gelandet, diesen Blog endlich fertigzustellen – über Final Fantasy zu lesen. Yoshinori Kitase erklärte, dass der Trend einfach heute Richtung Action-Gameplay geht und wer da nicht mitmacht, hat verloren. Finde ich es bezeichnend, dass auf mehreren Webseiten unter dieser News sofort Meldungen von Fans waren, die vor allem eines aussagten: Gebt uns doch einfach wieder das FF-Gameplay von I bis X zurück, das ist alles, was die Fans wollen, und schon wird das Spiel wieder ein Erfolg. Also ist rundenbasiertes CTB oder zumindest langsameres ATB eigentlich der Weg, den die Marke gehen sollte, um erfolgreich zu sein? Wohl nein. Aber: Der Fan ist es, der die Entwicklung der Spiele verfolgt. Er sieht eine Meldung zu Final Fantasy und klickt sie an. Er hat Interesse an der Marke, sieht diese News, liest sie und fragt sich, wo die Serie, die er unterstützt hat, hin ist – also hinterlässt er einen Kommentar, der die gute alte Zeit glorifiziert. So kann manchmal in Foren und auf Webseiten der Eindruck entstehen, dass die Spieler eigentlich nur Back to the Roots wollen – aber die Verkaufszahlen sprechen wohl eine andere Sprache und bevorzugt die anonyme Masse. Die greift wohl eher zur bekannten Marke, ohne vorher groß die Entwicklung zu beobachten. Kein Wunder, dass sich Fans oft vorkommen, als hätten sie recht und der Publisher ignoriert ihre Meinung.
Die Frage ist nur: Geht die Strategie auf? Sind diese neuen Käufer dann auch die Fans von morgen, wenn man die alten vergrault hat, oder spielt man mit den bestehenden Fans einfach nur ein grausames Spiel? Es muss ja einen Grund geben, warum man die alten Marken wieder aufwärmt und nicht einfach eine neue etabliert. XCOM hätte genauso gut Akte Alien heißen können oder Syndicate Utopia –um schnell Namen zu erfinden. Scheinbar verlassen sich die Publisher allerdings darauf, dass wir diese Marken kennen, lieben und noch immer bekannt machen – und vermutlich ist auch der Aufschrei, dass das nun ganz anders als früher war, schon PR-mäßig einkalkuliert, macht er die Marke doch nur noch bekannter. Und ganz ehrlich: Die meisten Fans werden das Spiel trotzdem in irgendeiner Form kaufen und spielen, trotz leidender Miene (meine beim Ansehen der Syndicate-Trailer ist mittlerweile redaktionsintern legendär) – schließlich bleibt dann irgendwie die Hoffnung, dass man den Publishern zeigt, dass die Marke noch nicht tot ist – und vielleicht kommt dann ja doch das „richtige“ Sequel? Ich erinnere an EAs Aussage zu Wing Commander für XBLA: „Wenn sich das Spiel gut verkauft, überlegen wir, die Marke weiterzuführen.“ Genug Anreiz für Fans, über die Mängel wegzusehen und das durchschnittliche Spiel zu kaufen, genutzt (im Sinne von „gute Fortsetzung“) hat es bislang gar nichts.
Scheinbar erreicht ein Publisher immer öfter den Punkt, an dem er sich entscheiden muss: Masse oder die Fans? Und leider wird viel zu oft Masse gewählt. Ex-Rare-Mitarbeiter erklärten erst vor wenigen Wochen, dass das der Grund wäre, warum man eben keine Remakes von Killer Instinct und Co. gemacht hätte – man hätte nur entweder ein Spiel machen können, das sich gut verkauft oder die Fans angesprochen hätte. Aus diesen Gründen habe ich mich zu einem klaren Kaufboykott von bloßen Sequels im Namen entschlossen: Solange für mich nicht bewiesen ist, dass das Spiel trotz neuer Form für mich noch irgendetwas beinhaltet, was für mich das Franchise einst ausgemacht hat, kaufe ich es nicht. Damit bin ich vermutlich nicht allein, aber wahrscheinlich auch nicht die große Masse, die wirklich etwas ändern könnte – klar, ich bin ja „nur“ ein Fan. Zum Glück gibt es aber auch noch Ausnahmen: Als das Larry-Remake angekündigt wurde, witzelten wir schon, wie die Serie wohl als Ego-Shooter aussehen würde – hier dürfte es allerdings eine ganz brave HD-Konversation des Klassikers werden. Gut so. Mögen es die Verkäufe belohnen!
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