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entertain.MIND Kino-Tipp: Prometheus – spoilerfrei!
Geschrieben von: Hanns Peter Glock am 14.06.2012, 14:35
Kategorien: Kino, DVD, TV
Seit man anno 1979 in Kino oder später im TV, auf VHS, DVD oder zuletzt auf Blu-ray mit der Crew der Nostromo die ersten Schritte auf ein havariertes Raumschiff setzte und dort jene riesenhafte Figur in einer Art Pilotensessel-Teleskop-Vorrichtung sitzen sah, fragen sich viele „Alien“-Fans – wenn sie sich nicht gerade furchtbar aufgrund der gruseligen All-Monster mit dem Säureblut schrecken –, wer denn diese sonderbaren Piloten sind, die man in keinem weiteren „Alien“-Streifen mehr erblicken konnte. Nun, Jahrzehnte und einige Regisseure im Regiestuhl der kultigen Sci-Fi-Reihe später, beschert uns Ridley Scott, der Vater der Franchise, ein paar Antworten – aber nur ein paar.

Zur Handlung wollen wir gar nicht viel verraten – nur so viel: Eine Gruppe Forscher unternimmt in einem Raumschiff, der Prometheus (benannt nach dem griechischen Titanen, der den Menschen das Feuer schenkte und dafür auf ewig von einem Organhändler in Form eines Geiers malträtiert wird), eine Expedition zu einem weit entfernen Planeten. Tja – und dort machen sie zahlreiche unangenehme Erfahrungen, in die kleine Viecher, große Viecher, sehr, sehr viel Schleim, ein Flammenwerfer und Explosionen involviert sind.

War „Alien“, zu dem „Prometheus“ eine Art Sequel darstellt, wenngleich die Handlung auch ein wenig daran vorbeiläuft, von Ridley Scott noch als gruseliges Horror-Kammerspiel im Weltall angelegt, erinnert der vorliegende Film vielmehr an „Aliens“. Suspense und Gänsehaut erregender Horror sind zwar auch vorhanden, doch meist platzt schon nach wenigen Augenblicken die Action hervor, wie ein fertiger Chestburster aus seinem Opfer (das ist nur eine Metapher und hat nix mit dem Film zu tun ;-) ). Die Story selbst ist deutlich vielschichtiger als jene aus „Alien“, was aber auch daran liegt, dass es dort ja eigentlich kaum Handlung – mal abgesehen vom Überlebenskampf der Crew – gab. Logiklöcher finden sich zwar zuhauf, der spannenden Inszenierung sei Dank kommt man aber kaum dazu, darüber nachzudenken, weil immer so viel auf der Leinwand abgeht.

In „Prometheus“ nimmt man sich Zeit fürs Quatschen, für Körperlichkeiten – und eine Menge Minuten fürs Philosophieren über Gott und die Welt (was hier nicht im weiteren Sinn gemeint ist). Das ist nicht schlecht, weil es den Charakteren zumindest ansatzweise Persönlichkeit verleiht – vor allem Michael Fassbender macht eine Menge aus den in der Reihe bislang immer etwas als Mittel zum Zweck gesehenen Androiden. Seine Darstellung des Roboters David, der den Zuschauer als rational agierender Pinocchio der Zukunft immer ungewiss über seine Motivationen lässt, ist schlichtweg genial und ein guter Kontrapunkt zur als typischen Heldin angelegten Dr. Shaw (Noomi Rapace). Diese ist zwar stark auf Ripley in „Alien“ getrimmt – sie bekommt sogar einen Auftritt in Unterhöschen – zeigt sich aber zugleich verletzlicher, jedoch im richtigen Moment überraschend selbstbestimmt und überflügelt ihr von Sigourney Weaver dargestelltes Vorbild in einer gewissen Beziehung sogar. Man darf sich auf eine sehr aufwühlende Szene freuen, in der Dr. Shaw eindrucksvoll selbst an ihrem Schicksal herumschnippelt.

Und wenn wir schon beim Thema „Schneiden“ sind: Die Präsentation des Films überzeugt in allen Belangen, zeichnet sich nicht nur durch einen angenehm unhektischen, aber dennoch spannenden Schnitt aus, sondern weiß auch durch atmosphärische Einstellungen sowie visuelle Highlights in puncto Design zu gefallen. Vorkommende außerirdische Lebensformen, Gebäude, Raumschiffe – alles sieht sehr ansprechend aus – moderne und H.R.Giger-sche Elemente summieren sich zu einem stimmigen Gesamtbild, das gleichermaßen an die Gestaltung von „Alien“ und moderne Sci-Fi-Ansprüche anschließt. Der 3D-Effekt geht zwar in den Innenräumen unter, bei Außen- und Weltallaufnahmen gibt sich das plastische Erlebnis allerdings schmuck.

Das letzte Wort
Wäre „Prometheus“ ein ganz eigenständiger Film, wäre er vermutlich nicht so überzeugend, was zu großem Teil am lückenhaften Plot liegt. In Anbetracht des gewaltigen Universums, das hinter dem handwerklich überzeugenden Streifen steht und sich auch überall darin – wenn auch teilweise als Zerrbild - widerspiegelt, und der Leistung von Noomi Rapace und Michael Fassbender werden Sci-Fi-Fans glücklich, aber nicht ohne viele neue Fragen aus dem Kino schreiten. Vielleicht hätte man doch nicht Damon Lindelof, der für viel „Lost“-Verwirrung bei TV-Sehern sorgte, ans Drehbuch lassen sollen?
Egal, „Prometheus“ bekommt von mir eine 9/10, aber ich hoffe, dass das unausweichliche Sequel (ursprünglich wollte Scott ohnehin zwei "Alien"-Prequels drehen) in puncto Story ein wenig konsistenter daherkommt.
Filmstart
9. August (Deutschland)/ 10. August (Österreich)
Alle Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox

Eine Menge Rätsel, ein paar Antworten - viel Spannung und viel Schleim, das ist "Prometheus"
Zur Handlung wollen wir gar nicht viel verraten – nur so viel: Eine Gruppe Forscher unternimmt in einem Raumschiff, der Prometheus (benannt nach dem griechischen Titanen, der den Menschen das Feuer schenkte und dafür auf ewig von einem Organhändler in Form eines Geiers malträtiert wird), eine Expedition zu einem weit entfernen Planeten. Tja – und dort machen sie zahlreiche unangenehme Erfahrungen, in die kleine Viecher, große Viecher, sehr, sehr viel Schleim, ein Flammenwerfer und Explosionen involviert sind.

Ein großer Kopf auf einem fernen Planeten: "Star Trek 5" lässt grüßen, "Prometheus" macht aber alles um Lichtjahre besser.
War „Alien“, zu dem „Prometheus“ eine Art Sequel darstellt, wenngleich die Handlung auch ein wenig daran vorbeiläuft, von Ridley Scott noch als gruseliges Horror-Kammerspiel im Weltall angelegt, erinnert der vorliegende Film vielmehr an „Aliens“. Suspense und Gänsehaut erregender Horror sind zwar auch vorhanden, doch meist platzt schon nach wenigen Augenblicken die Action hervor, wie ein fertiger Chestburster aus seinem Opfer (das ist nur eine Metapher und hat nix mit dem Film zu tun ;-) ). Die Story selbst ist deutlich vielschichtiger als jene aus „Alien“, was aber auch daran liegt, dass es dort ja eigentlich kaum Handlung – mal abgesehen vom Überlebenskampf der Crew – gab. Logiklöcher finden sich zwar zuhauf, der spannenden Inszenierung sei Dank kommt man aber kaum dazu, darüber nachzudenken, weil immer so viel auf der Leinwand abgeht.

Ob er ein richtiger Junge werden will? Androide David kocht sein eigenes Süppchen.
In „Prometheus“ nimmt man sich Zeit fürs Quatschen, für Körperlichkeiten – und eine Menge Minuten fürs Philosophieren über Gott und die Welt (was hier nicht im weiteren Sinn gemeint ist). Das ist nicht schlecht, weil es den Charakteren zumindest ansatzweise Persönlichkeit verleiht – vor allem Michael Fassbender macht eine Menge aus den in der Reihe bislang immer etwas als Mittel zum Zweck gesehenen Androiden. Seine Darstellung des Roboters David, der den Zuschauer als rational agierender Pinocchio der Zukunft immer ungewiss über seine Motivationen lässt, ist schlichtweg genial und ein guter Kontrapunkt zur als typischen Heldin angelegten Dr. Shaw (Noomi Rapace). Diese ist zwar stark auf Ripley in „Alien“ getrimmt – sie bekommt sogar einen Auftritt in Unterhöschen – zeigt sich aber zugleich verletzlicher, jedoch im richtigen Moment überraschend selbstbestimmt und überflügelt ihr von Sigourney Weaver dargestelltes Vorbild in einer gewissen Beziehung sogar. Man darf sich auf eine sehr aufwühlende Szene freuen, in der Dr. Shaw eindrucksvoll selbst an ihrem Schicksal herumschnippelt.

Die neue Ellen Ripley? Nein, eine neue Generation von Space-Heldinnen: Dr. Elizabeth Shaw
Und wenn wir schon beim Thema „Schneiden“ sind: Die Präsentation des Films überzeugt in allen Belangen, zeichnet sich nicht nur durch einen angenehm unhektischen, aber dennoch spannenden Schnitt aus, sondern weiß auch durch atmosphärische Einstellungen sowie visuelle Highlights in puncto Design zu gefallen. Vorkommende außerirdische Lebensformen, Gebäude, Raumschiffe – alles sieht sehr ansprechend aus – moderne und H.R.Giger-sche Elemente summieren sich zu einem stimmigen Gesamtbild, das gleichermaßen an die Gestaltung von „Alien“ und moderne Sci-Fi-Ansprüche anschließt. Der 3D-Effekt geht zwar in den Innenräumen unter, bei Außen- und Weltallaufnahmen gibt sich das plastische Erlebnis allerdings schmuck.

So düster wie hier ist der Film nur selten. Statt gruseliger Finsternis wird auf schockierende Splatter-Action – wenn auch im magenfreundlichen Rahmen – gesetzt.
Das letzte Wort
Wäre „Prometheus“ ein ganz eigenständiger Film, wäre er vermutlich nicht so überzeugend, was zu großem Teil am lückenhaften Plot liegt. In Anbetracht des gewaltigen Universums, das hinter dem handwerklich überzeugenden Streifen steht und sich auch überall darin – wenn auch teilweise als Zerrbild - widerspiegelt, und der Leistung von Noomi Rapace und Michael Fassbender werden Sci-Fi-Fans glücklich, aber nicht ohne viele neue Fragen aus dem Kino schreiten. Vielleicht hätte man doch nicht Damon Lindelof, der für viel „Lost“-Verwirrung bei TV-Sehern sorgte, ans Drehbuch lassen sollen?
Egal, „Prometheus“ bekommt von mir eine 9/10, aber ich hoffe, dass das unausweichliche Sequel (ursprünglich wollte Scott ohnehin zwei "Alien"-Prequels drehen) in puncto Story ein wenig konsistenter daherkommt.
Filmstart
9. August (Deutschland)/ 10. August (Österreich)
Alle Bilder: © 2012 Twentieth Century Fox
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