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Sexismus gegen Gamerinnen

Geschrieben von: Silvia Schachinger am 09.07.2012, 15:28
Kategorien: PC- & Videospiele
In den letzten Wochen war das Thema Frauen und Sexismus in der Videospielindustrie ein sehr präsentes, was dazu geführt hat, dass ich mich ebenfalls ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt habe. Wirklich thematisiert wurde das Ganze durch mehrere unterschiedliche Vorfälle. Nämlich ein Interview aus dem Jahr 2006 mit BioWare-Editor Jennifer Hepler, die am liebsten die für sie uninteressanten Teile des Gameplays (also das Spielen selbst) streichen wollte, um die Story schneller verfolgen zu können. Als Ergebnis wurde sie massiv angefeindet und ihre Aussage aus dem Kontext herausgerissen zitiert. Denn eigentlich ist es nur verständlich, dass eine werdende Mutter ihre eigene Freizeit natürlich mit der Geburt eines Kindes drastisch schwinden sieht und gerne eine Möglichkeit hätte, die Story eines Spiels trotzdem zu erleben – vor allem, wenn man wie Helpler als Editor ein naturgemäß größeres Interesse daran hat. Grundsätzlich war also nichts Schlimmes an der Aussage, trotzdem fühlten sich vor allem Männer dadurch auf den Schlips getreten und begannen sie massiv zu attackieren.



Danach geriet Medienkritikerin Anita Sarkeesian für ihr Kickstarter-Projekt „Tropes vs. Women“ in Videogames in den Fokus. Ihre Arbeit, wie bereits eine ähnliche über weibliche Klischees in Filmen, sollte untersuchen, in welcher Form weibliche Klischees in Videospielen verwendet werden; im Anschluss wollte sie ihre Erkenntnisse in einer Webserie veröffentlichen. Grundsätzlich ein durchaus interessantes Thema, durch das wir sicherlich einiges lernen können, denn Klischees begegnen uns in alle Lebensbereichen und formen doch in gewisser Weise unser Denken mit. Schließlich kennt jeder das Vorurteil der dummen Blondine, das aber gleichzeitig nicht bedeutet, dass jede Blondine automatisch dumm ist. Trotzdem hat es sich in unseren Köpfen eingebrannt und bestimmt doch in gewisser Weise, wie wir Blondinen im Alltag begegnen. Sarkeesians Kickstarter-Projekt war insgesamt ein großer Erfolg, denn sie konnte sich nicht nur über die eigentlichen 6.000 Dollar freuen, sondern über wesentlich mehr. Allerdings ist der Erfolg sicherlich auch den Leuten zu verdanken, die ihr Projekt durch Anfeindungen derartig populär machten: Sie wurde persönlich dafür angegriffen, mit Tod und Vergewaltigung bedroht und öffentlich beschimpft. Ihre Wikipedia-Seite wurde verunstaltet und ihr Youtube-Video, mit dem sie das Projekt vorstellte, mit Drohnachrichten zugespammt. Insgesamt eine sehr bedenkliche Entwicklung für jemanden, der eigentlich nur weibliche Klischees in Videospielen untersuchen wollte.



Eine weitere Frau, die für ihre reine Anwesenheit auf der E3 und das Präsentieren der diesjährigen Ubisoft-Pressekonferenz gehörig Kritik einstecken musste, war Aisha Tyler. Die Kommentare, denen sie sich ausgesetzt sah, waren alles andere als schön und besonders bitter, denn statt irgendeinen weiblichen Star für die Präsentation zu nehmen, entschied man sich für jemanden, der unsere Liebe zu Spielen teilt. Nach dem Durchlesen mancher Kommentare fragt man sich ein wenig, ob Ubisoft nicht lieber Paris Hilton verpflichten hätte sollen, damit sie mit einem ihrer Chihuahuas die Show präsentiert. Die Games wären ihr zwar egal gewesen, aber sie hätte wahrscheinlich dem Frauenbild der Industrie entsprochen, nämlich dem des sexy Eyecandys, das nur dazu da ist, um Spiele ins rechte Licht zu rücken. Niemand hätte sie wahrscheinlich attackiert, weil klar gewesen wäre, warum man sie gewählt hat. Bei Aisha war es das nicht. Sie ist eine hübsche Frau, die versucht hat, die Präsentation professionell über die Bühne zu bringen, was ihr auch durchaus gelungen ist.



Warum also diese Anfeindungen? Was ist bei allen drei das Problem? Ihre Aussagen? Das, was sie untersuchen wollen, oder dass sie eine Pressekonferenz präsentierten? Wohl kaum. Das wahre „Problem“ ist anscheinend wirklich, dass sie Frauen sind und manche Männer anscheinend derselben Meinung über Frauen in der Videospielindustrie sind, wie Nazis über Juden, um es etwas überzeichnet auszudrücken – tatsächlich waren einige Kommentare über die genannten Personen rassistisch formuliert – Stichwort „Juden zerstören unsere westliche Zivilisation“. Anders lassen sich wohl viele der Anfeindungen, Vergleiche und Kommentare nicht erklären, denn welcher normal erzogene, normal denkende Mensch würde einen anderen Menschen derartig anfeinden, nur weil er ein anderes Geschlecht oder eine andere Meinung hat als er selbst? Wohl niemand. Denn unterschiedliche Ansichten tun normalerweise niemandem weh, sondern sorgen eher für eine gewisse Diversität. Dasselbe gilt meiner Meinung nach auch für Frauen in der Videospielindustrie. Ja, wir sind eine Minderheit, und ja, die Hauptzielgruppe sind Männer. Eine Tatsache, die man bei den meisten Games problemlos merkt, eben an der Verwendung der bereits angesprochenen Klischees. Die Videospielindustrie ist eine Industrie von Männern für Männer.



Allerdings gibt es auch immer mehr Frauen, die einen nicht unwesentlichen Part spielen. Frauen, die vielleicht genauso wie ich mit älteren Brüdern aufgewachsen sind und schon Videospiele spielen wollten, bevor sie noch Lesen oder Schreiben konnten. Frauen, die genauso wie ihre männlichen Kollegen ihre Kindheit in ihrem Zimmer verbracht haben, um zu zocken oder im Urlaub immer ihren Gameboy mit hatten. Frauen, die einfach Spaß an ihrem Hobby haben wollten, ohne es an die große Glocke zu hängen. Was ist also so schlimm daran, dass wir jetzt dazu auch etwas zu sagen haben? Dass wir nach Jahren des Spielens und Schweigens selber auch an einem Spiel mitprogrammieren möchten, weil wir es einfach lieben und es das ist, was uns Spaß macht? Ist es wirklich so schlimm unser Hobby auch mitgestalten zu wollen, damit nicht nur alle weiblichen Charaktere in Videospielen uninteressante und einseitige Eyecandys sind?

Mal ehrlich, ist es wirklich das, was ihr euch als Freundin wünscht? Hübsch anzusehen und was zum Angeben, aber halt nichts, mit dem man sich länger als zwei Minuten freiwillig unterhalten möchte? Oder ist es euch lieber, ihr habt eine Freundin, die euch und euer Hobby versteht und auch mal mit euch gemeinsam Koop zockt, statt jeden Abend zu jammern, wenn ihr Mal für fünf Minuten eure Konsole aufdreht? Ich für meinen Teil würde nie mit jemandem zusammenleben wollen, der zwar supersexy und hübsch anzusehen ist, aber mit dem ich ansonsten nichts anfangen kann.
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