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Wo bleibt die Hetze

Geschrieben von: Manfred Riegler am 10.07.2012, 11:00
Anlässlich jener Geiselnahme in Karlsruhe, die dieser Tage durch die Medien kursierte und die letztendlich mit fünf Todesopfern endete, gingen mir heute etliche Gedanken durch den Kopf.

Abgesehen von der Tatsache, dass ein solches Ereignis immer bleibende emotionale Spuren bei Betroffenen wie auch bei Unbefangenen hinterlässt, drängte sich bei mir jedoch noch eine weitere Frage in den Vordergrund: Wo bleibt die Hetze?

Nehmen wir an, die Wahnsinnstat wäre von einem 18-Jährigen verübt worden. Es hätte keine Stunde gedauert und die viel zitierten “Killerspiele” wären wieder Gegenstand der Diskussion gewesen. Hundertprozentig hätte der Amokläufer das leidgeprüfte Counterstrike gespielt und sich durch den Genuss von GTA selbst zu seiner Tat motiviert.

Innerhalb kürzester Zeit hätte man eine ganze Branche verteufelt, alle Videospieler in den selben Psychopathen-Topf geworfen, heftigst gegen den Gebrauch von Unterhaltungssoftware gepoltert und nach einem Verbot derselben geschrien.

Nun war der Attentäter von Karlsruhe mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Videospieler, sondern mit einhundertprozentiger Sicherheit Jäger. Ich wundere mich, dass jetzt nicht die Wogen gegen die Jägerschaft hochschlagen. Warum wird jetzt nicht gegen waffentragende und -benutzende Weidmänner gewettert?

Ich, als jahrzehntelanger und seit jeher friedfertiger und im realen Leben durchwegs pazifistischer Gamer, fühle mich als höchst unfair behandelt. Denn ich meine, dass man als Jäger den Umgang mit einer Waffe wesentlich authentischer und realistischer erlernt, als mittels Farbpixel auf dem heimischen TV. Wo bleibt die Politik? Die besorgten Eltern? Die lautstarken Gutmenschen, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Vordergrund drängen müssen?

Ich vermisse den Aufschrei, der durch die internationale Parteienlandschaft geht und die mediale Berichterstattung die ausnahmslos jeden Hubertus-Jünger ins kriminelle Licht rückt.
Denn was ist wohl gefährlicher: Ein einsamer Jugendlicher, der in seiner Freizeit gerne zum Joypad greift, um sich beim virtuellen Shooter abzureagieren oder ein affektierter Jäger mit mehreren echten Gewehren, überhöhtem Aggressionspotential und niedriger Hemmschwelle?

Ich möchte bitte nicht missverstanden werden. Dieser Beitrag ist nicht dazu gedacht, die Jagdschaft zu diskreditieren oder jemanden persönlich anzugreifen oder zu beleidigen. Ich finde nur die Doppelmoral der ewig gleichen Wirbelmacher und sozialpolitischen Gutmenschen zum Erbrechen bigott. Und ich denke, dass auch anlässlich der jüngsten Ereignisse im deutschen Karlsruhe eine Frage dieser Art gestellt werden muss. Denn entweder man macht überall das gleiche Theater, wenn es darum geht, die Hintergründe einer Wahnsinnstag aufzudecken, oder man hält generell die Klappe.

Nur: Das andauernde Herumgetrampel auf einer Szene, die nur den einen Fehler besitzt, noch keine ausreichend grosse Lobby im Rücken zu haben, empfinde ich – als ein Vertreter dieser Szene – als beleidigend.
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