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Thema der Woche: Zukunftsprognosen für die Spieleindustrie

Geschrieben von: Silvia Schachinger am 22.10.2012, 21:13
Kategorien: PC- & Videospiele
Letzte Woche war in vielerlei Hinsicht sehr interessant und das nicht nur, weil wir endlich wissen, dass CD Projekt Reds neuer Titel Cyberpunk 2077 heißen wird und es die ersten Infos zu Dragon Age 3 gibt. Der Grund, warum die letzte Woche für mich interessant war, sind zwei Veteranen der Videospielindustrie, die ihre eigene Meinung zur Zukunft unserer Industrie kundtaten und eine interessante Studie, die ebenfalls einen spannenden Einblick gewährte. Doch beginnen wir einmal mit Trip Hawkins, seines Zeichens Gründer von Publisher EA und durchaus ein Mann, der Ahnung von der Materie hat oder haben sollte. Hawkins ist nämlich der Meinung, dass es zwar immer einen Markt für Konsolen geben wird, dieser aber wirklichen Core-Gamern vorbehalten bleibt, die Innovation zu schätzen wissen. Er vergleicht es mit Menschen, die sich mit der Fliegerei befassen und im Gegensatz zu allen anderen, denen es schon reicht, einfach mal mitzufliegen, irgendwann einmal ein eigenes Flugzeug besitzen möchten (dazu wird auch im Forum heiß diskutiert http://www.consol.at/board/viewtopic.php?f=2&t=34729). Zwar wird der Markt für die Spieleindustrie immer größer, denn unser Hobby scheint endlich im Mainstream angekommen zu sein; er nennt dabei Zahlen, wie etwa zwei Milliarden PCs und vier Milliarden Mobil-Telefone bzw. ein paar Milliarden Tablets in ein paar Jahren, die alle mit Spielen bedient werden wollen. Eigentlich sollte das eine gute Sache für uns Spieler sein, doch Hawkings ist der Meinung, dass der Konsolenmarkt auf der Strecke bleiben wird, da der Trend immer mehr in Richtung mobiles Gaming (Browser- oder Cloud-basierte Titel) geht. Vielen Leuten ist die soziale Komponente und die Bequemlichkeit sehr wichtig. Die Möglichkeit, wann immer man möchte alles spielen zu können und dabei noch mit Freunden zu interagieren. Das klassische Facebook-Game eigentlich, wo man nur weiterkommt, wenn möglichst viele Freunde ebenfalls das gleiche Spiel spielen. Die Bequemlichkeit ist uns Menschen nun mal doch sehr wichtig und ein einfaches Browsergame kann man überall zocken. Die Zukunft sind laut ihm PCs mit Bewegungssteuerung und vielleicht sogar einem Touchscreen, wie uns Microsoft mit Windows 8 glauben lassen möchte.



Das könnte natürlich durchaus passieren, schließlich geht der Schritt immer mehr Richtung Free2Play und weg vom klassischen Retailmodell, das vor allem auf den Konsolen forciert wird. Natürlich bringt jede Konsole ihren Store mit und auch Titel, wie zum Beispiel Singstar mit den gefühlt 2.000 Songtiteln, die es extra zum Dazukaufen gibt, fällt eigentlich schon in diese Schiene, aber es gibt nach wie vor die Vollpreistitel, wo wir immer noch ein Call of Duty haben, das jedes Jahr Millionen an Einheiten absetzt. Wahrscheinlich werden diese in Zukunft weniger werden, schließlich kostet die Produktion eines klassischen Vollpreistitels in der Retailvariante doch um einiges mehr, als einfach ein günstiges Download-Game anzubieten. Aber die Free2Play-Titel werden wohl kaum vergleichbar sein mit denen, die wir jetzt geboten bekommen. Denn die Qualität wird nämlich Zweifelsohne steigen, zwar nicht bei allen Titeln, aber gut, auch unter Vollpreistiteln findet man durchaus wirkliche Nieten, wo man sich echt fragt, ob es für so etwas wirklich einen Markt geben soll. Ich betrachte Facebook-Spiele und kleine Handygames ein wenig als Einstiegsdroge. Damit wird eine Zielgruppe erreicht, die bis jetzt nicht so leicht bis gar nicht zu erreichen war und nach ein wenig Farmville oder Angry Birds feststellt, dass einem Spielen gefällt und man mehr möchte. Ein kleiner Snack also, der Lust auf eine ganze Mahlzeit macht. Das Fastfood unter den Spielen sozusagen.



Passend dazu wurde letzte Woche auch eine interessante Studie veröffentlicht, die besagt, dass 85 Prozent der Social Gamer bereits nach dem ersten Tag aufgeben. Die Spieler wurden in einem Zeitraum von zwei Monaten beobachtet, nach denen bereits 95 Prozent nicht mehr spielten. Lediglich fünf Prozent der Spieler blieben wirklich bei der Sache. Das meiste Geld wird übrigens am Wochenende für Social Games ausgegeben, während unter der Woche mehr gespielt wird. Sprich die kurze Runde Farmville in der Arbeit zwischendurch. Das zeigt wohl einerseits, wo Gelegenheitsspieler gerne spielen – wie Trip Hawkins sagt: in der Arbeit, zwischendurch, also mobil – und andererseits auch, dass man nicht bereit ist, jeden Blödsinn zu spielen. Man wird wählerischer und überlegt dann doch genauer, welchem Spiel man seine Zeit widmet. Das wird zwar sicher nicht auf alle Spieler zutreffen, aber auf einige sehr wohl. Schließlich will man doch eine gewisse Gegenleistung haben, wenn man z.B. Geld ausgeben soll und dafür ist Qualität nun mal ein Kriterium.



Auch die Konsolen werden sich weiterentwickeln müssen, weg von restriktiven Systemen, die nur so viel Innovation zulassen, wie es die Hardware-Hersteller wollen, genauso wie die Spieleindustrie vom klassischen Entwickler-/Publisher-Modell wegkommen muss, um weiter bestehen zu können. Einerseits brauchen wir nämlich Innovationen, neue, frische Ideen, und diese dürfen andererseits nicht noch teurer werden. Die horrenden Preise für die Entwicklung mancher Spiele liegen nämlich nicht nur an den Entwicklungskosten selbst, sondern auch an den Unsummen, die für riesige Marketingkampagnen ausgegeben werden, die wiederum von den großen Publishern betreut werden. Publisher, die noch dazu mitreden, wie die Entwicklung mancher Titel von statten geht und ob es ein Feature überhaupt ins fertige Spiel schafft oder kurz vor Schluss doch noch entfernt wird, da es ihrer Meinung nach noch nicht Marktreif ist und man doch noch ein wenig mehr Zeit und vor allem Geld investieren müsste. Es wird Zeit für einen Umbruch und für eine Änderung des Systems, angepasst an die heutige Zeit und die Bedürfnisse und Wünsche der Spieler.



Im Endeffekt müsste es dann eigentlich eher die Handhelds treffen als die großen Konsolen, da so gut wie jeder bereits sein Smartphone zum Spielen unterwegs verwendet. Vielleicht wird es aber auch Konsolen geben, die beides in einem bieten: Stationäres Spielen am TV mittels einer Dockingstation und mobiles Spielen für unterwegs mit der Konsole selbst. Ein wenig in diese Richtung geht der Neo Geo X Gold bzw. Sonys Cross Play-Feature, wobei man für letzteres noch immer zwei Geräte, nämlich eine PS3 und eine Vita, benötigt. Wie sich der Markt ändert, werden wir wohl in den nächsten Jahren sehen, denn dass er sich ändern wird, kann man als Fakt betrachten. Ich bin gespannt, ob man bereits mit der nächsten Konsolengeneration von Sony und Microsoft ein Umdenken bemerkt oder ob es relativ klassisch weitergeht. Schließlich ist es auch eine Tatsache, dass man nicht immer nur lediglich bessere Grafik bieten muss, sondern der Spieler einfach mehr erwartet und sich ein stimmiges Gesamtpaket erhofft, das durchaus auch Innovationen zulässt. Eine Schiene, die eigentlich Nintendo gut bedient, doch hier scheitert es wohl eher an den Zweifeln der Core-Gamer, ob das neue Konzept auch von den Third-Parties unterstützt wird und die Konsole nicht nur Spiele für Nintendo-Fans zu bieten hat. Neue Steuerungsideen werden wohl in gewisser Weise auch unsere Zukunft bestimmen und ich bin wirklich gespannt, was da auf uns zu kommt.



Gearbox-Boss Randy Pitchford hatte dazu ebenfalls diese Woche eine Meinung – und zwar glaubt er, dass sich die derzeitigen Motion Controls im Endeffekt zu einem Holodeck entwickeln werden. Zwar sei man noch weit davon entfernt und stünde erst am Anfang, aber die Zukunft sähe laut ihm so aus. Seine Vision gefällt mir als alter Star Trek-Fan ausgesprochen gut. Bereits als Teenie hätte ich mir ein Holodeck gewünscht, das so funktioniert, wie ich es in zahlreichen TNG-Folgen gesehen habe. Wenn ich 80 bin, kann ich das vielleicht sogar wirklich noch ausprobieren. Mal sehen, denn vielleicht dauert es sogar noch länger und ich komme gar nicht mehr dazu, was ich doch sehr schade fände.



Egal ob uns eine Zukunft ohne klassische Konsolen, Handhelds oder mit Holodeck erwartet, es bleibt auf jeden Fall spannend – und um das zu sehen, benötigt man keine Glaskugel a la Michael Pachter.

Mit der Blog-Serie „Thema der Woche“ möchte ich jede Woche (wie der Name schon sagt) ein für mich vorherrschendes Wochen-Thema in der Spieleindustrie aufarbeiten und meine Meinung dazu kundtun. Bitte beachtet, dass es sich hierbei wirklich um meine eigene Meinung handelt, die auf meinen Beobachtungen und Gedanken zu aktuellen Themen und oftmals auch auf Diskussionen, die wir in der Redaktion dazu führen, basieren. Es handelt sich hierbei nicht um die Meinung des consol.MEDIA-Verlages oder anderer Mitarbeiter des Verlages, sondern wirklich um meine eigene Meinung.
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